daniel roehe
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Afrika-Austausch? (daniel roehe)
Ich erinnere mich in meiner Schulzeit an einige Austauschprogramme ins Ausland. Neben den für mein empfinden typischen Austauschzielen Frankreich und England konnten wir sogar in die USA reisen. Ich glaube, dass Schüler hier ähnlich wie in einem Praktikum wichtige Erfahrungen sammeln können, hab mich aber noch nie so richtig mit den Austauschprogrammen an meiner Schule beschäftigt.
An der Bugenhagen-Schule ist mir bisher nur ein Polen-Austausch bekannt, obwohl auch Fremdsprachenunterricht in Englisch und Spanisch anbieten. Seit einem Jahr pflegt die Schule aber auch einen Kontakt nach Tansania. Vergangene Woche hatten wir Besuch von Lehrern einer tansanischen Förderschule. Ich habe einige sehr interessante Gespräche führen können, die Gäste wollten viel von unserem Schulsystem wissen. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, wie krass die Unterschiede zwischen Afrika und Europa sein müssen, ohne ein wirklich eigenes Bild zu haben. Ich wurde natürlich auch gefragt, ob ich schon mal in Tansania oder überhaupt in Afrika gewesen bin. Leider musste ich beides verneinen. Ich glaube aber, mich mal langsam an die Reiseplanung machen zu müssen. Eine Einladung an eine Special-School habe ich schon mal… Warum nicht mal einen Austausch nach Afrika wagen?
voll öko (daniel roehe)
Ich glaube ich zähle ein bisschen zu diesen Öko- und Bio-Trendopfern. Zumindest was Lebensmittel angeht. Bei meinem letzten Bummel durch H&M habe ich gesehen, dass man dort jetzt auch Ökoklamotten kaufen kann. Also auch hier sozusagen öko für die Masse, was ja vom Ansatz her nicht schlecht ist. Allerdings musste man nicht erst auf das Etikett sehen um zu erkennen, dass das irgendwie öko ist. Jedenfalls traf die Klamotte nicht meinen Geschmack. Mit der Frage, ob öko eigentlich immer gleich hässlich bedeutet, verließ ich den Laden ohne etwas gekauft zu haben.
Gestern kam unser Schulleiter mit einem Vorschlag für neue Schulklamotten in die Konferenz. Die soll jetzt auch auf bio umgestellt werden. Nun wusste ich nicht, ob ich mich freuen oder gruseln sollte. Hess-Natur hat sich bei dem Schulleiter mit einer neuen Kollektion für Schulen gemeldet. Sie berichteten ihm, extra Designer beauftragt zu haben um die Schulmode jugendlich-modern zu gestalten. Vielleicht ahnten sie, dass öko zwar Trend ist aber dennoch etwas unmodisches anhaften könnte. Die Kollektion der “Spezialdesigner” sah auf den ersten Blick nicht schlecht aus und wurde so an eine andere Schule zur Probe geliefert. Man wollte ein Feedback von den Schülern erhalten. Diese verurteilten die Klamotten aber und wollten es lieber schlicht. Also zurück zu öko? Vielleicht bin ich einfach doch kein Trendopfer.
Zumindest bleibt fraglich, wo öko Sinn macht oder einfach nur Trend ist. Bei Lebensmitteln glaube ich immer noch, dass es Sinn macht auf bio zu achten. Wenngleich nicht überall bio drin ist wo es drauf steht, führt es aber doch zu mehr Ernährungsbewusstsein. Dieser Trend könnte gut in der Modebranche Einzug halten. Denn schadstofffreie Kleidung aus ökologisch verträglich angebauter Baumwolle ist glaube ich noch die viel zu große Ausnahme. Wie so oft bieten sich auch hier ganze Unterrichtseinheiten an. Hess-Natur beschreitet einen guten Weg, zumal die Schulklamotten noch ziemlich günstig daher kommen.
neu aufgestellt im web 2.0 (daniel roehe)
In Hamburg sind seit etwa 10 Tagen Frühjahrsferien. Für mich sind Ferien auch immer die Zeit, in der ich mich durchs Web 2.0 stöbere. Seit ein paar Jahren bin ich mit meinem Blog “digitale bildung“, dem Klassenblog meiner Schüler, einem flickr-Account für meine Fotos, XING für meine (Business-)Kontakte und Qype für die Empfehlung kultureller und touristischer Attraktionen aktiv im social-web. Nicht ganz so lange aber dafür sehr aktiv bin ich in letzter Zeit am micro-bloggen bei Twitter. Weniger genutzt werden von mir meine älteren Last.fm- und Plazes-Accounts.
In den letzten Tagen habe ich mir die Angebote von Google ein wenig zu Gemüte geführt. Schnell hatte mich der Spam-Filter bei Googlemail überzeugt. Bei iGoogle habe ich mir alle wichtigen Nachrichtenkanäle (Kalender, Feeds, News, Wetter und Twitter-Updates) übersichtlich zusammen gestellt. Auch wenn Google wegen diverser Monopolambitionen in der Kritik steht überzeugt mich die Leistung der Services. Die Anwendungen Mail, Calendar und Reader können meine Desktop-Anwendungen ersetzen. Praktisch ist das, weil ich nicht nur zu Hause, sondern auch im Lehrerzimmer oder Klassenraum so schnell mal up to date bin.
Infiziert hat mich seit neuestem auch Facebook. Interessant geworden ist es, weil durch die deutsche Lokalisierung offensichtlich mehr Nutzer in Deutschland erreicht werden und so auch einige Freunde von mir dort aktiv sind. So habe ich hier im Gegensatz zu XING ein privates soziales Netzwerk aufgebaut und mir ein buntes Profil zusammengestellt. Das lässt sich sehr leicht mit einigen Anwendungen zusammenklicken, bei denen man beispielsweise seine Lieblingsreiseziele, -musik, -filme und -bücher angeben und mit Freunden austauschen kann. Cool ist auch, dass sich viele existierende web2.0 Profile integrieren lassen, bspw. Twitter, Qype usw.). Viel mehr Spaß macht es aber, wenn noch mehr Bekannte dazu kommen. Also meldet Euch mal schnell an
Wofür Ferien? (daniel roehe)
Seit heute haben Hamburger Schüler und Lehrer offiziell (manche möchten sagen: schon wieder) Ferien. Die Schulwoche vor den Ferien war irgendwie wieder super stressig. Meistens fällt mir dann erst auf, was ich alles noch dringend erledigen will/muss und versuche alles noch vor den Ferien vom Tisch zu bekommen. Das führt dann zu dem Gefühl, dass man unterrichtet und parallel noch weitere Dinge erledigt. Ich glaube es geht nicht nur mir so, zumindest sind letzte Woche über die Maßen viele Kollegen während des Unterrichts relativ gestresst mit irgendwelchen Anliegen zu mir gekommen. Und wenn ich mich recht entsinne ist jede Woche vor den Ferien so voll. Da fragt man sich doch, ob es nicht entspannter wäre, einfach auf die Ferien zu verzichten und alles wie gewohnt erledigen zu können.
Nun gut, für alle die Ferien oder einfach so Freizeit genießen können habe ich zwei Tipps: Das neue brand eins Magazin hat den Themenschwerpunkt “Bildung“. Es enthält viele interessante Berichte über das Thema aus einer anderen Perspektive als einschlägige pädagogische oder erziehungswissenschaftliche Hefte. Darüber hinaus für uns Blogger einen interessanten Artikel “Nach dem Rausch - Der Hype ist vorbei. Web 2.0 muss nun seine Geschäftsfähigkeit beweisen.” Und wer es populärer mag: der Stern hat gerade ein Special zum Thema “Was soll ich werden?” - auch interessant für Schüler wie Lehrer (mit Link zur stern-Jobampel und einer Deutschlandkarte zur Ausbildungssituation). Werdens also vielleicht Ferien zum Weiterbilden?
Video schneiden leicht gemacht? (daniel roehe)
Meine Klasse verlässt nach diesem Jahr die Schule. Kurz vor den Sommerferien gibt es ein offizielles Abschlussfest, auf dem jede Klasse etwas zum Abschied vorstellt. Die Klasse hat entschieden, einen Film vorzuführen. Das Medium Film erlaubt es meinen Schülern mit Behinderung, sich so darzustellen, wie sie sich gerne sehen. An einem Rednerpult fällt ihnen dies ungleich schwerer.
Mein Anspruch ist es, dass die Schüler ihren Wunsch nach einer eigenen Filmproduktion von Anfang bis Ende selbst bestimmen können. Deshalb haben sie nicht nur das Thema und Drehbuch selbst geschrieben, sondern in einer Projektwoche vor den Ferien auch selbst gespielt und gedreht. Dank Digital-Video-Camcordern ist das recht leicht.
Dennoch waren wir auf unterschiedliche Hilfe angewiesen. Unser Kunstlehrer hat den Schülern wichtiges zur Kameraführung erklärt. So sind recht ordentliche Bilder aufs Band gekommen. Beim Videoschnitt sind meine Erfahrungen am Mac deutlich besser als am PC. Da wir keine Mac-Arbeitsplätze in der Schule haben, konnten wir glücklicherweise auf die Gastfreundschaft des MultiMediaStudios an der Uni Hamburg zurückgreifen. Dort standen uns entsprechende Computer zur Verfügung, sodass immer drei Schüler an einem Rechner bestimmte Sequenzen zurechtschneiden konnten.
Ich glaube auch meine Kollegen hatten Zweifel, ob das klappen konnte; vielleicht auch weil sie digital nicht so versiert sind wie ich. Doch mit iMovie arbeitet es sich dank hervorragender visueller Metaphern sehr leicht. Der Film wird als ausgelegte Filmrolle dargestellt, auf der man lediglich gewünschte Sequenzen wie in einer Textverarbeitung markieren muss und dann einem Projekt hinzufügt. Soweit lief alles wie am Mac gewohnt und die Schüler waren begeistert, was sie geschafft hatten.
Leider begann iMovie bei etwas gößeren Sequenzen schnell in die Knie zu gehen. Nachdem wir alle ausgewählten Clips auf einem Rechner zusammengeführt hatten, hing sich iMovie immer wieder auf. Momentan können wir schlicht nicht weiterarbeiten, weil jede Aktion mit minutenlanger Denkpause quittiert wird. Ich muss hier Apple mal ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Was allerdings vor dem Hintergrund der Enttäuschung der Schüler nicht viel bringt. Ich bin ratlos, wie es mit dem Projekt weiter gehen soll. Und sollen die Zweifel meiner Kollegen sich bestätigen?
Video on demand (daniel roehe)
Während eigentlich alle viele auf Filme und Fernsehsendungen im iTunes Store warten, hab ich in den letzten Wochen mal zwei Online-Videotheken getestet. Maxdome und Videoload machen ja momentan auch Werbung im Fernsehen und wollen eine ernsthafte Alternative zur Videothek sein. Das kann schon mal nichts werden, denn beide Dienste laufen nur auf Windows mit Internet Explorer und Windows Media Player. Das alleine bringt einem schon zehntausenmal mehr Risiken ins Haus als jede Fahrt in die nächste Videothek.
Wer bereit ist, diese Risiken in Kauf zu nehmen, hat noch lange nicht die Auswahl wie in einer Videothek. Mein Eindruck ist, dass Maxdome etwas mehr Filme zur Auswahl hat. Darunter allerdings auch schlechte TV-Produktionen und TV-Sendungen der ProSiebenSat.1, die bei Videoload nicht bereit gestellt werden. Videoload gehört zu T-Online; hier hinterlässt man also seine Daten wie bei Maxdome bei einem weiteren deutschen Medien-Branchenriesen. Hier habe ich aber auf den ersten Blick interessantere Filme gefunden. Allerdings gibt es keine Nutzerkommentare oder -bewertungen geschweige denn Previews wie bei Maxdome. Der Zahlungsvorgang ist bei beiden wie inzwischen so oft im Netz recht unkompliziert.
Letztlich kommt es ja aber auf den Filmgenuss an. Da finde ich den Movieplayer von Maxdome intuitiver bedienbar. Dieser ermittelt relativ unbemerkt die Bandbreite und liefert entsprechend die vermeintlich optimale Qualität. Auch ist mir bei Maxdome noch nie ein Film hängen geblieben. So jedoch einmal bei Videoload, was recht nervig war. Bei der T-Online-Tochter muss man die DSL-Bandbreite manuell wählen und man tut gut daran, eine Stufe langsamer als das eigene Netz zu wählen (hat man also eine 2000 MBit Leitung sollte man lieber 1000 MBit wählen). Videoload bietet allerdings seine Filme teilweise auch zum Download an. Diese dann sogar in HD-Qualität. Aber auch der Livestream kommt, subjektiv bewertet, in besserer Qualität rüber als bei Maxdome. Wenn er nicht gerade hängen bleibt.
Apple kann also mit dem iTunes-Store ein in Deutschland noch unausgereiftes online Videoangebot auf Vordermann bringen. Solange empfehle ich aufgrund der höheren Film- und Bildqualität die Nutzung von Videoload.
Immer schön Kopf hoch (daniel roehe)
Vor knapp zwei Monaten bat ich unsere Schulsekretärin noch um die Erledigung eines Schriftstücks. Wohl wissend, dass sie täglich unendlich viele dieser kleinen Bitten erledigt. Trotzdem hatte ich es am nächsten Morgen mit einer kurzen persönlichen Anmerkung im Fach. Dieses unproblematische Zuvorkommen erlebt man in der Form selten bei all dem hektischen Betrieb. Wenige Tage später wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert. Vier Wochen später ist sie verstorben. Dieser Verlust hat ein großes, schweres Loch in der Schule hinterlassen.
Gestern war ihre Beerdigung. Viele Kollegen und Schüler waren mit vielen netten Gesten da. Mitten in der runde setzte sich eine Kollegin und brauchte plötzlich Hilfe von einem Notarzt. Mit dem Verdacht auf Schlaganfall wurde sie vom Friedhof ins Krankenhaus eingeliefert. Ihr Zustand hatte sich, nachdem es ihr über Nacht schlechter ging, wieder leicht gebessert. Die Kollegen waren auf der Konferenz heute dennoch von den Ereignissen gezeichnet. Viele berichteten, wie schwer es ist, trotzdem die Arbeit mit den Kindern weiter zu führen. Aber zum Glück kommt so viel menschliche Nähe und Wärme von ihnen wieder.
Noch immer treiben mich viele Gedanken umher, gepaart mit der Hoffnung auf gute Besserung unserer Kollegin. Ich habe auch länger überlegt, ob ich diese Erlebnisse im Blog veröffentliche. Ich tu es einfach mal, weil leider auch die schweren Dinge zum Schulalltag gehören.
Fußball konsumieren (daniel roehe)
Am Samstag beginnt die Fußball-EM 2008. Es fahren schon wieder viele Autos mit Fahnen durch die Gegend, als wäre Deutschland längst Meister. Ich sammel lieber Panini-Bilder, wie zu jeder Fußball-WM oder -EM. In letzter Zeit habe ich aber auch immer wieder gehört, dass an hamburger oder schleswig-holsteinischen Schulen die Sticker schon verboten sind, weil die Schüler damit vom Unterricht abgelenkt werden oder ständig beim Tauschen in Streit geraten.
Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich meine Schüler eher ermutigt habe, auch zu sammeln. Ich hatte mal halb-öffentlich gefragt, wer mit mir noch tauschen möchte. Daraufhin hatten am nächsten Tag vier Kinder ein neues Album mit extrem vielen Bildern. Inzwischen sitze ich mit vielen Schülern in einer Pause pro Tag am Tausch-Tisch. Ich genieße nicht nur das erfolgreiche Tauschen, sondern freue mich auch immer wieder, dass sich hier Schüler treffen, die sonst nie miteinander reden. Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass viele gar nicht wissen, wie und warum man tauscht. Nun möchte ich fasst behaupten, dass die Tausch-Pause eigentlich erweiterter Unterricht ist. Großer Nachteil ist allerdings, dass die Sticker so teuer sind und einige sie sich kaum leisten können. Also plagt mich eher ein schlechtes Gewissen. Oder sollte ich bei Panini Lehrmittelfreiheit einfordern?
Fortbildung ?Arbeiten mit Wiki, Weblogs und Co.? (daniel roehe)
Heute gebe ich eine Fortbildung am Li. Die Teilnehmer können sich ein Blog einrichten.
Nachtrag: dieser Eintrag ist während einer Fortbildung am LI entstanden. Es war meine erste Fortbildung am vor Lehrern und ich hatte mir recht viel vorgenommen. Die Teilnehmer waren mit dem Web 2.0 und den Begriffen Blog, Wiki, Social Software und RSS so gut wie nicht vertraut. Mit einer Präsentation konnte ich in einige Techniken einführen. Viele Anregungen finden sich bekanntlich bei LoveItOrChangeIt.com. Nach jedem Input-Block sollten die Teilnehmer nach entsprechendem Web 2.0 Einsatz im Unterricht recherchieren. Nur wenige haben gute Blogs und Wikis aus der Schule gefunden. So war es schwierig, die Einsatzmöglichkeiten im Unterricht beispielhaft zu verdeutlichen. Im Feedback hieß es, dass Berichte und Beispiele aus meinem Unterricht überzeugen konnten. Vorbehalte gibt es hinsichtlich des Datenschutzes und der Fremdheit von Web 2.0. Deshalb haben auch nur wenige Teilnehmer sich ein Blog oder Wiki einrichten wollen.
Sollte ich noch einmal zu einer Fortbildung angefragt werden, würde ich den Schwerpunkt wohl noch stärker auf den Einsatz von Blogs und Wikis im Unterricht legen. Bis dahin suche ich weiter nach guten Praxisbeispielen. Da ich während der Fortbildung auf viele Ressourcen im Netz zugreife, überlege ich, ob man ein Präsentation nicht auch bei del.icio.us hinbekommt, indem man alle Links unter bestimmten Tags ablegt und entsprechend beschreibt. Dann wäre auch die Präsentation sozialer, weil sich jeder Teilnehmer individuell Links kopieren könnte.
Erste Schritte in die Arbeitswelt (daniel roehe)
Meine Klasse ist seit dieser Woche im Praktikum. Die nervöse Spannung bei den Schülern während der Vorbereitung in der vergangenen Woche hat mir gezeigt, wie aufregend der Schritt in die Arbeitswelt ist. Praktika haben eben für alle Beteiligten, aber insbesondere für die Berufsorientierung der Schüler eine immens hohe Bedeutung. Insbesondere dann, wenn es sich, wie bei meinen Schülern, um Menschen mit besonderem Förderbedarf handelt.
Zunächst hatte ich nicht mit dieser Aufregung gerechnet, ist es doch das dritte Praktikum meiner Klasse. Meine Schüler verlassen aber in wenigen Monaten den “Schonraum Schule”, in dem jeder sie und sie alles kennen. Im Praktikum, also einer längerfristigen Erprobung in realen Arbeitsbedingungen, erfahren sie, was nach der Schule auf sie zu kommt. Jeder muss für sich (wenngleich noch mit unserer Unterstützung) viele alltägliche Probleme lösen. Es stellen sich ganz einfache Fragen wie, “Wie komme ich zu meiner Arbeitsstelle?” oder “Wie spreche ich Kollegen an?” Sie können während und nach dem Prakitkum aber auch einschätzen lernen, welche beruflichen Tätigkeiten zu ihnen passen. Ingrid Körner, Präsidentin von “Inclusion Europe” weist in einem Interview mit dem Magazin “Auf Kurs” auf die Bedeutung von Praktika aus Sicht der Eltern hin. “Unsere Lösung hieß Praktika - während der Schulzeit und so viele wie möglich. So konnten unsere Kinder früh erfahren, was Arbeit bedeutet und in Gesprächen mit Sonderpädagogen in Integrationsschulen herausfinden, was sie beruflich interessierte.” (Auf Kurs 1/08, S. 28)
Für mich ist mit dem Praktikum sehr viel und teilweise ungewöhnlicher Organisationsaufwand verbunden. In erster Linie sind wir Lehrer auf die Kooperationsbereitschaft von Betrieben und Unternehmen angewiesen. Je besser die funktioniert, desto passgenauere Erfahrungen können wir den Schülern vermitteln. Ich habe das Glück, mit vielen bereitwilligen Unternehmern in Kontakt zu stehen. Einerseits kann ich ihnen mein Anliegen während der Praktikumsbesuche mitteilen, andererseits treffe ich mich mit einigen Vertretern der hamburger Mittelstands zu einem regelmäßigen Austausch. Bei einem der letzten Treffen haben die Unternehmer noch einmal unterstrichen, wie bedeutsam die Begegnung mit Praktikanten für sie ist. Wenn sich die Schüler durch so genannte soft-skills oder Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit, Motivation und gute Umgangsformen bewähren, würden für sie schlechte schulische Leistungen auch mal in den Hintergrund treten. Damit machen Unternehmer mir und den Schülern deutlich, wie wichtig eine persönliche Empfehlungen sein kann. Gerade meine Schüler, die an den Leistungsanforderungen der Regelschule gescheitert sind, gewinnen hiermit von Seiten der Wirtschaft eine hoch motivierende Perspektive. Ich wünsche den Schülern viele gute Erfahrungen die ihnen derartige Anerkennung vermitteln und mir noch mehr so engagierte Kontakte mit Betrieben und Unternehmen.
Mein Junggesellenabschied 2008 [Flickr] (daniel roehe)
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